Schalldämpfer und Mündungsbremsen
Für die Wahl des richtigen Schalldämpfers kann man ein paar Kriterien zu Rate ziehen, dann hat man relativ schnell den richtigen gefunden.
Zuerst wird die Funktionsweise eines Schalldämpfers erläutert. Im Anschluss werden die Kriterien zur Wahl eines Schalldämpfers beleuchtet.
Funktion Schalldämpfer
Ein Schalldämpfer bzw. auch Signaturdämpfer hat folgende Aufgaben: Er soll den Mündungsknall reduzieren und den Mündungsblitz eliminieren. Gewissermaßen als Nebeneffekt reduziert er aber auch den Rückstoß und fördert die Präzision der Waffe. Wie das funktioniert ist im Folgenden erklärt.
In dem Moment, in dem das Geschoss den Lauf verlässt, entweicht auch der restliche Gasdruck samt unverbrannter Pulverreste aus der Mündung. Das Gas, welches eben noch unter immens hohem Druck im Lauf stand, kann sich nun schlagartig entspannen. Diese schlagartige Entspannung erzeugt den Mündungsknall.
In dem sich entspannenden Gas, welches sich vor der Mündung verteilt, verbrennt das restliche Pulver. Das ergibt das Mündungsfeuer bzw. Mündungsblitz. Je mehr unverbrannte Pulverreste mit austreten, desto größer und intensiver ist das Mündungsfeuer. Ein Indiz dafür, dass Ladung und Lauflänge nicht zusammenpassen, da am Ende des Laufes ja offenbar noch (zu) viel Pulver übrig ist.
Beide Probleme werden durch Schalldämpfer gemildert.
Das austretende Gas kann sich im Schalldämpfer nicht ganz so schlagartig entspannen. Im Gegenteil, durch verschiedene Bohrungen, Wände oder Drahtgeflechte im Schalldämpfer wird die Ausdehnungsgeschwindigkeit des Gases soweit reduziert, dass der Mündungsknall erheblich gedämpft wird.
Das hat zur Folge, dass der Gasdruck im Lauf länger erhalten bleibt und sich langsamer abbaut. Das ist wichtig für Selbstladebüchsen, die mit Schalldämpfer betrieben werden sollen. Mehr dazu im Artikel Selbstladebüchsen mit Schalldämpfer.
Sofern die Patrone für das Gewehr nicht zu stark überladen ist, schluckt der Schalldämpfer auch das Mündungsfeuer, da die Pulverreste während der Verwirbelung innerhalb des Schalldämpfers verbrennen.
Der Schalldämpfer hat keinen Einfluss auf den Überschallknall des Geschosses.
Aber Schalldämpfer bieten neben Geräusch- und Lichtreduktion noch zwei weitere Vorteile.
Beim Austritt aus der Mündung wird das Geschoss vom Gas schlagartig überholt, da sich das Gas schneller ausdehnt, als das Geschoss fliegt. Innerhalb dieser Gaswolke wird das Geschoss einigen Turbulenzen unterworfen, die sich negativ auf die Präzision auswirken. Erst kurz nach der Mündung stabilisiert sich das Geschoss wieder, aber da haben die Turbulenzen die Flugbahn schon negativ beeinflusst.
Ein Schalldämpfer reduziert die Gasmenge, die das Geschoss überholt erheblich und fördert damit die Präzision.
Außerdem wird der Rückstoß, durch die verzögerte Entspannung des Gasdrucks erheblich gemindert. Der Schalldämpfer wirkt hier wie eine Mündungsbremse. Mehr dazu unter Mündungsbremsen.
Montiert man einen Schalldämpfer, muss man sich auf eine Verlagerung des Treffpunktes einstellen. Jeder Schalldämpfer beschwert den Lauf. Der Lauf wird minimalst nach unten gebogen. Für den Menschen nicht wahrnehmbar, beeinflusst diese kleine Änderung den Verlauf der Flugbahn so stark, dass auf 100m ein paar Zentimeter Treffpunktverlagerung auftreten können. Wenn man an das Hebelgesetz aus der Schule denkt, kann man sich vorstellen, dass der Effekt am stärksten ist, wenn man lange Läufe mit schweren Schalldämpfern bestückt.
Wichtiger Hinweis: Schalldämpfer werden beim Betrieb extrem heiß. Verbrennungsgefahr! Nach ein paar Schüssen kann man sich ein Bild davon machen, wenn man durch sein Zielfernrohr schaut. Das Hitzeflimmern des Schalldämpfers ist dann sehr gut zu erkennen.
Wichtiger Hinweis: Auch wenn der Mündungsknall gedämpft wird, ein Gewehrschuss mit Schalldämpfer ist immer noch laut und potentiell schädlich für das Gehör. Daher sollte trotzdem Gehörschutz getragen werden. Insbesondere, wenn vermehrt geschossen wird (Drückjagd, Schießstand,…).
Auswahl des richtigen Schalldämpfers
Um den richtigen Schalldämpfer auszuwählen, hilft es sich klar zu machen welche Eigenschaften einem wichtig sind. Beim Ansitz stört das Gewicht weniger als bei der Pirsch. Bei häufiger Nutzung ist die Bauart und Möglichkeit zu Reinigung vielleicht ausschlaggebend. Oder man möchte einen Schalldämpfer für mehrere Waffen verwenden…
Folgende Fragestellungen helfen die Ansprüche und Möglichkeiten an den Schalldämpfer zu sortieren.
Dämpfung
Die Dämpfung ist der Grund für die Anschaffung eins Schalldämpfers. Die Dämpfungsleistung wird in Dezibel (dB) angegeben. Die Dezibel-Skala ist eine logarithmische Skala. Das heißt schon wenige Dezibel haben enorme Auswirkung auf die empfundene Lautstärke bzw. den Schalldruck. Obwohl sich die meisten Schalldämpfer auf dem Markt von den Dezibelwerten nicht dramatisch unterscheiden, sollte man dennoch genau hinschauen, wenn man auf maximale Dämpfungsleistung aus ist. Auch wenige dB Dämpfungsleistung haben einen deutlichen Effekt. Immer mit dem Zusatz versehen, dass es von Lauflänge, Kaliber und Munition abhängt, wie die Dämpfungsleistung denn tatsächlich ist.
Frage: Wieviel Dämpfung brauche ich? Und welche Kompromisse bin ich bereit einzugehen? Die bestmögliche Dämpfung erzielen großvolumige Flüstertüten zu großvolumigen Preisen. Oftmals reichen für Pirsch und Ansitz auch mittlere Dämpfungsleistungen.
Gewicht
Beim Gewicht gibt es deutliche Unterschiede. Hier kommt es auf den angedachten Zweck der Waffe an. Spielt das Gewicht überhaupt eine Rolle? Oder zählt jedes Gramm?
Schwere Dämpfer sind in der Regel deutlich robuster, langlebiger und vertragen höhere Schussfolgen. Aber die Waffe ist in der Handhabung deutlich träger und bei der Pirsch wirkt das Gewicht ermüdend.
Die sehr leichten Dämpfer hingegen bieten einen hohen Komfort beim Führen der Waffe. Erkauft wird dieser Komfort durch teilweise sehr verschleißanfällige Innenleben (Drahtgeflechte, welche schnell korrodieren) und schneller Überhitzung des Schalldämpfers, nach nur wenigen Schuss.
Fragen: Wie beweglich muss ich mit der Waffe sein? Welche Schussbelastung (Art und Menge) erwartet den Schalldämpfer?
Für den gelegentlichen Schuss beim Jagen reicht auch in sehr erfolgreichen Jagdjahren ein leichter Schalldämpfer. Je höher die Schussfolgen und je öfter man schießt, desto robuster sollte die Auslegung des Schalldämpfers sein.
Bauart
Grundsätzlich gibt es zwei Bauarten. Overbarrel und normal.
Die normalen Schalldämpfer beginnen am Mündungsgewinde und verlängern die Waffe dann um die Gesamtlänge des Schalldämpfers. Manchmal munkelt man, dass diese Bauart bessere Dämpfungsleistung erzielt.
Bei einem Overbarrel-Schalldämpfer sitzt das Gewindes des Schalldämpfers im Inneren. Das heißt ein großer Teil des Schalldämpfers schiebt sich über den Lauf. Die Waffe wird dadurch bei gleichem Dämpfervolumen nicht so stark verlängert, was der Führigkeit der Waffe sehr entgegenkommt.
Frage: Ist die Länge der Waffe für den Verwendungszweck relevant?


Wer mit Zweibein auf offenen Flächen jagt, wird keine Probleme mit der Länge der Waffe haben. Für die Pirsch im Wald oder den Ansitz in engen Kanzeln zahlt sich jeder gesparte Zentimeter Länge aus.
Zerlegbarkeit
Einige Schalldämpfer lassen sich für die Reinigung zerlegen. Andere gar nicht. Abhängig vom Nutzungsverhalten und den anderen Bedingungen kann das ein Kriterium sein. Wichtiger als die Reinigung ist die ordentliche Trocknung des Schalldämpfers. Nach dem schießen und vor allem nach der Jagd, wenn der kalte Schalldämpfer in der warmen Stube steht und sich das Kondenswasser im Inneren sammelt.
Frage: Geschmackssache, ob man seinen Dämpfer zerlegen will. Für den normalen jagdlichen Gebrauch ist es nicht notwendig.
Multikaliberfähigkeit
Es ist offensichtlich, aber die Öffnungen des Schalldämpfers müssen größer sein als der Durchmesser des Kalibers. Man kann aber problemlos kleinere Kaliber verschießen, als die für die der Dämpfer zugelassen ist.
Mit den entsprechenden Gewinden, ist es also beispielsweise möglich einen Schalldämpfer für .308 Win auch für eine Büchse in .222 Rem zu verwenden. Höchstens die Dämpfungsleistung leidet minimal darunter.
Frage: Möchte ich für jede meiner Büchsen einen eigenen Schalldämpfer? Kann ich Synergieeffekte erzielen oder Geld sparen, wenn ich einen Schalldämpfer für mehrere Büchsen verwende?
Möchte man einen Dämpfer für mehrere Büchsen verwenden, muss man sich genau überlegen welches Gewinde bzw. Anschlussart man wählt.
Gewinde
Es gibt Schalldämpfer mit Gewinde, welche einfach auf den Lauf aufgeschraubt werden und es gibt von vielen Herstellern Schnellverschlüsse für ihre Modelle.
Das einfachste ist, sich für seine Büchse einen Schalldämpfer mit dem passenden Gewinde zu kaufen. Möchte man den Schalldämpfer auf mehreren Büchsen verwenden, lohnen sich sogenannte Gewindeadapter. Damit können alle gängigen Gewinde auf das gleiche Gewindemaß umgerüstet werden, so das ein Schalldämpfer für alle Büchsen passt.
Hat man zum Beispiel eine Büchse mit Mündungsgewinde M18x1 und eine mit M15x1, wird das M15x1 mit einem Adapter von M15x1 auf M18x1 versehen. Nun kann ein Schalldämpfer mit M18x1-Gewinde auf beiden Büchsen verwendet werden.
Ein andere Art des Anschlusses sind die Schnellverschlüsse. Diese werden ebenfalls auf die Mündung geschraubt und erlauben nun das arretieren von Schalldämpfern mit dem entsprechenden Anschluss. Diese Schnellverschlüsse sind herstellerspezifisch. Man schränkt sich bei der Wahl eines Schalldämpfers also auf einen bestimmten Hersteller ein. Dafür entfällt das lästige auf- und abschrauben.
Frage: Möchte ich einen Schalldämpfer für mehrere Büchsen nutzen?

Ob man schraubt oder per Schnellverschluss arretiert ist am Ende Geschmackssacke. Einige Schnellverschlüsse haben den Vorteil, dass Sie ohne angebrachten Schalldämpfer als Mündungsbremse oder Mündungsfeuerdämpfer fungieren.
Mündungsbremsen
Funktionsweise
Mündungsbremsen können den Rückstoß und den Hochschlag der Waffe verringern.
Issac Newtons 3. Axiom lautet actio = reactio. Demnach erfährt ein Körper, auf den eine Kraft wirkt, eine gleich große Kraft in die entgegengesetzte Richtung. Gut zu sehen ist das bei Raketen. Die bei der Verbrennung des Treibstoffs entstehenden Gase dehnen sich extrem schnell aus. Durch die Düsen gerichtet, wirkt eine beschleunigte Masse (= Kraft) in Richtung Erdboden. Gemäß dem 3. Axiom wirkt eine gleich große Gegenkraft. Diese Kraft befördert die Rakete gen Himmel.
Die Büchse wird im Moment der Schussabgabe kurzeitig ebenfalls zu einer Rakete. Sowohl Geschoss als auch Gas werden durch den Lauf in Schussrichtung beschleunigt. Das heißt in Schussrichtung wirkt die Kraft. Die Gegenkraft spüren wir als Rückstoß.
Bei der Mündungsbremse macht man sich dieses Prinzip zu Nutze und leitet das beschleunigte Gas an der Mündung einfach um. In der Mündungsbremse trifft das Gas (beschleunigte Masse = Kraft) auf Prallflächen, die es zur Seite oder nach hinten und zum Teil nach oben umleiten.
Die Menge Gas, die in der Mündungsbremse umgeleitet wird, wirkt nicht mehr in Schussrichtung und erzeugt demnach auch keine Gegenkraft in Richtung Schulterstütze.
Dabei schluckt die Mündungsbremse natürlich keine 100%. Die Beschleunigung im Lauf kann die Mündungsbremse nicht beeinflussen. Und auch bei einem hohen Wirkungsgrad der Mündungsbremse entweicht immer noch ein Teil nach vorne in Schussrichtung.
Dennoch kann man so den Rückstoß und den Hochschlag der Waffe deutlich reduzieren.
Darüber hinaus bietet die Mündungsbremse einen gleichen Vorteil wie der Schalldämpfer. Die Gasmenge, die das Geschoss beim Verlassen der Mündung überholt und für Turbulenzen in der Flugbahn sorgt, verringert sich. Die Schüsse werden präziser.
