Technik Einschießen


Nach unserem Verständnis gehört es zum waidmännischen Verantwortungsbewusstsein, sein Werkzeug zu verstehen und sich über die Einstellung der Waffe im Klaren zu sein.

Ziel des Einschießens ist es, das Zielfernrohr so einzustellen, dass die optische Achse zwei Schnittpunkte mit der Flugbahn des Geschosses hat und man genau weiß, auf welchen Distanzen diese Schnittpunkte liegen.

Die Punkte, an denen sich die optische Achse und die Flugbahn schneiden, liegen da wo der Haltepunkt (der Punkt auf den das Absehen zielt) gleich dem Treffpunkt (wo das Geschoss einschlägt) ist. Im Falle der GEE oder ähnlicher Verfahren gilt das im Prinzip genauso, nur dass hier kein Punkt auf der Flugbahn des Geschosses betrachtet wird, sondern ein ganzer Abschnitt der ballistischen Kurve.

Die Präzision von Büchsen wird in Streukreisen gemessen. Ein Streukreis besteht üblicherweise aus fünf Schuss (auch Gruppe genannt), die auf denselben Punkt unter denselben Bedingungen abgegeben werden. Es gibt dafür spezielle Anschussscheiben, die viele Hersteller als Download zur Verfügung stellen. Neben einem klar definierten Zielpunkt, bieten diese Scheiben ein Raster, mit dem man die Abweichung von Treffpunkt zu Haltepunkt bestimmen kann.

Die Verteilung der fünf Schüsse auf der Scheibe nennt man Streuung. Um die fünf Einschüsse zieht man einen Kreis und bestimmt den Durchmesser des Kreises in cm. Lässt man mögliche Schießfehler außen vor, gilt: je geringer der Durchmesser, desto präziser die Büchse.

Man kann seine Waffe sehr gut selbst montieren und einschießen. Natürlich kann man das vom Büchsenmacher bzw. Waffenhändler machen lassen. Das hat den Vorteil, dass man sich selbst nicht mit der Materie auseinandersetzen muss und ein bisschen Zeit spart.

Nachteilig dagegen ist, dass man sich nicht selbst mit der Materie auseinandersetzt und dafür auch noch Geld bezahlt.

Zur Montage von Zielfernrohren gibt es ausreichend Videos und Anleitungen im Internet. Wichtig dafür: eine gute Wasserwaage und die Drehmomentangaben der Hersteller von Montage und Zielfernrohr beachten.

Um die Waffe einzuschießen muss man sich ein bisschen theoretisch vorbereiten und einige Dinge wissen, die man beachten muss. Der Rest ist nur Zeit und Munition.

Abhängig von den ballistischen Eigenschaften der Munition, kann man die Schnittpunkte Optik-Flugbahn selbst festlegen. In den meisten Fällen wird man jedoch den ersten Schnittpunkt bei 100m wählen oder sich an der Günstigsten Einschießentfernung (GEE) des Munitionsherstellers orientieren. Egal welche Entfernung man wählt, die Technik zum Einschießen ist immer die Gleiche. Und auch nicht aufwändig.

Am Ende des Prozesses sollte ein Jäger stehen, der genau weiß welchen Streukreis er mit seiner Waffe und Jagdmunition schießt.

Folgende Faktoren muss man beim Einschießen berücksichtigen:

  •  Umgebungsbedingungen
  • Waffe
  • Munition
  • Schießfehler

Umgebungsbedingungen

Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und -winkel, Luftdruck, Corioliseffekt, usw. … alles Faktoren, die die Flugbahn des Geschosses beeinflussen. Für die Jagd in Deutschland sind diese Faktoren jedoch in der Regel nicht ausschlaggebend.

Lange Distanzen, merklicher Seitenwind oder die Bedingungen bei der Bergjagd fordern jedoch auch hierzulande ihren Tribut.

Für das Einschießen sollte man also Seitenwinde vermeiden, entweder auf einem geeigneten Schießstand, einen windstillen Tag wählen oder parallel zur Windrichtung schießen. Sonst besteht die Gefahr, dass man sein Zielfernrohr gegen eine Winddrift kalibriert und diesen Ablagefehler mit durchs Jagdjahr nimmt.

Die Temperatur sollte moderat sein. Mit 15°C hat man ein gutes Mittelmaß. Spürbar wird der Temperatureinfluss, wenn man im Hochsommer einschießt und im tiefsten Winter präzise treffen möchte (oder umgekehrt).

Alle anderen Umweltfaktoren spielen keine wirkliche Rolle in der Jägerei.

Waffe

Die Waffe muss zunächst mal sicher sein und funktionieren. Zielfernrohr und Montage müssen mit den korrekten Drehmomenten angezogen sein. Lauf gereinigt und entölt (!!).

Also vor dem Schießen mindestens 2x die BoreSnake durchziehen. Laufkontrolle durchführen.

Wenn die Montage oder das Zielfernrohr nicht fest sitzen, ist erfolgreiches einschießen unmöglich. Die kleinste Verschiebung des Zielfernrohrs sorgt dafür, dass auf 100m ein Ablage von ein paar Zentimetern entsteht und/oder sich ständig verändert.

Die Bedienungsanleitung vom Zielfernrohr sollte Auskunft darüber geben, wie die optische Achse im Werkszustand eingestellt ist und wie man das Zielfernrohr justiert bzw. „nullt“. Zum einstellen des Zielfernrohrs dienen die Türme am Zielfernrohr. Teilweise sind die Verstelltürme durch aufgeschraubte Kappen geschützt.

Für Montagen mit Vorneigungen muss man die Vorneigung zum Verstellweg des Zielfernrohres hinzurechnen.

Am Ende sollte man eine sichere, saubere Waffe haben und eine kalkulierte Idee, wo das erste Geschoss einschlagen wird (bezogen auf den Haltepunkt).

Und lasst euch niemals mit einem Stück Holz (oder schlimmer) auf das Zielfernrohr klopfen, damit es einrastet oder sich setzt oder was immer die euch erzählen… das ist Schwachsinn!

Munition

Ausprobieren! Mit Glück passt gleich die erste oder zweite Laborierung zur Waffe. Oft genug aber auch nicht. Nicht aufgeben. Um Kosten zu sparen, ist es so wichtig Umgebungsbedingungen, Waffe und Schießfehler bestmöglich zu kontrollieren. Denn diese Dinge sind kontrollierbar.

Die Qualität der Munition und noch wichtiger, das Zusammenspiel einer bestimmten Munition mit dem Lauf einer bestimmten Waffe ist nicht kontrollierbar.

Es kann also sein, dass die Streukreise der Waffe 1 mit Munition A unheimlich schlecht sind, wohingegen Waffe 2 ganz fantastische Streukreise mit Munition A hinbekommt. Obwohl Waffe 1 und 2 nahezu identisch sind.

Hier kann man wirklich nur das Zusammenspiel Waffe-Munition ausprobieren. Munitionssorte/-hersteller wechseln oder Wiederlader werden.

Schießfehler

Natürlich macht dieser Text aus niemandem einen guten Schützen. Aber mit ein paar einfachen Hilfsmitteln, lässt sich viel von der Schwachstelle Mensch bei der Schussabgabe eliminieren.

Zunächst mal müssen Schaft und Hinterschaft aufliegen. Sandsäcke, Schießbock, Rucksack, etc. Die Waffe muss von alleine gehalten werden (darf sich also so gut wie nicht bewegen, wenn man loslässt). Für den Hinterschaft eignet sich ein Bean Bag (oder eine alte Socke mit getrockneten Erbsen) hervorragend. Durch drücken und Kneten des Bean Bags mit der Nichtschießhand lässt sich der Hinterschaft gut justieren und stabilisieren und die Waffe damit ausrichten.

In Schussposition gehen und die Waffe auf den Sandsäcken so ausrichten, dass das Ziel exakt anvisiert wird, selbst, wenn die Waffe losgelassen wird.

In Schussposition gehen, das Ziel anvisieren und auf die Atmung achten. Jede Bewegung des Körpers überträgt sich auf die Waffe und damit auf den Treffpunkt. Durch die Atmung darf sich das Absehen nur vertikal über dem Ziel auf und ab bewegen. Das Ziel und das Absehen sollten Deckungsgleich sein, wenn zu 2/3 ausgeatmet wurde.

Ziel aufnehmen, zu 2/3 ausatmen, ausatmen unterbrechen und Abzug mit sehr gleichmäßigem Zug abkrümmen. Nachhalten (also nicht wegmucken sondern dem Schuss „hinterherschauen“).

Am besten ein paar Mal mit einer bereits eingeschossenen Waffe (= bekannter Treffpunkt) und günstiger Munition üben, um ein Gefühl für den Ablauf zu bekommen.

Das Einschießen – der Ablauf

Erfahrungsgemäß braucht es ein paar Patronen, bis man Zielfernrohr und Lauf einigermaßen zusammen hat. Dafür muss man keine teure Jagdmunition verwenden. Hauptsache Haltepunkt und Treffpunkt liegen schonmal auf derselben Scheibe.

Die Feinjustierung für chirurgische Präzision erfolgt später.

Um eine belastbare Aussage über das Trefferbild einer Waffe zu bekommen, muss man Gruppen schießen und Streukreise bestimmen. Man versucht damit sozusagen den Mensch als Fehlerquelle rauszumitteln.

Sind die Streukreise gut (< 3-5cm auf 100m), dann passt die Munition und man kann mit der Feinjustierung beginnen.

Sind die Streukreise schlecht, lohnt sich die Feinjustierung nicht. Wenn irgendwo auf der Scheibe kein guter Streukreis möglich ist, ist er es auch nicht auf dem Zielpunkt.

Wenn also bekannt ist, wo Waffe und Munition so in etwa hin schießen, werden Gruppen geschossen. Ist der Streukreis der Gruppe in Ordnung, wird der Mittelpunkt des Streukreises bestimmt. Dieser Mittelpunkt wird in Bezug zum Haltepunkt gesetzt.

Beispielsweise sei der Haltepunkt der Zielpunkt auf der Anschussscheibe. Anschussscheibe auf 100m. Der Mittelpunkt der Gruppe liegt 5cm links und 8cm über dem Zielpunkt.

Die Differenz zwischen Haltepunkt und Treffpunkt nennt man die Ablage. Das Zielfernrohr wird nun um die Ablage des Mittelpunktes der Gruppe korrigiert.

Beim einstellen des Zielfernrohrs muss man genau aufpassen, man kommt leicht durcheinander. In der Regel sind auf den Verstelltürmen Pfeile mit der Drehrichtung für Up oder Hoch bzw. Rechts angegeben. Bei den allermeisten Zielfernrohren bezieht sich das U/H auf den Einschuss. Das heißt, liegt der Streukreis zu tief, dreht man in die Pfeilrichtung U/H, denn die Einschüsse müssen „Hoch“. Sollen die Schüsse tiefer liegen, dreht man gegen die Pfeilrichtung, die mit U/H gekennzeichnet ist.

Analog für die links/rechts Korrektur. Soll der Einschuss weiter rechts liegen, um den Zielpunkt zu treffen, dreht man den Verstellturm in die Pfeilrichtung, die mit R gekennzeichnet ist.

Die Verstelltürme drehen mit fühlbaren und hörbare Rasten, sogenannten „Klicks“. Ein Klick entspricht einer bestimmten Ablage auf einer definierten Distanz. Gängige Klicks sind zum Beispiel 1cm auf 100m. Das heißt verdreht man den Verstellturm um genau einen Klick, verändert sich der Treffpunkt auf 100m um einen Zentimeter.

Bei dem Beispiel von oben müssten man nun also acht Klicks entgegen der Pfeilrichtung von U/H machen und fünf Klicks in Pfeilrichtung des R.

Ohne verrechnen und verwechseln der Drehrichtung an den Türmen, sollte der Mittelpunkt der nächsten Gruppe genau auf dem Zielpunkt liegen.

Damit ist die Waffe eingeschossen.

Es ist nicht immer leicht das mit Gelassenheit, in aller Ruhe und mit genügend Zeit hinzubekommen. Ob man nun auf dem Stand von Schlaumeiern belästigt wird oder im Revier Rücksicht auf Spaziergänger nehmen muss.

Aber es lohnt sich selbst einzuschießen. Man lernt eine Menge über sich und seine Waffe. =)