Selbstladebüchsen mit Schalldämpfer


Der Betrieb von Selbstladebüchsen mit Schalldämpfern ist mit Problemen behaftet. Diese können jedoch weitgehend behoben werden.

Die grundsätzliche Funktionsweise eines Schalldämpfers haben wir in dem Artikel Grundwissen Schalldämpfer und Mündungsbremsen beschrieben.

Wir beschränken uns in diesem Artikel auf Gasdrucklader und lassen die Masseverschlüsse außen vor.

Wird die Patrone im Gasdrucklader gezündet und durch den Lauf getrieben, wird an einer Stelle des Laufes durch eine kleine Bohrung im Lauf etwas Gasdruck abgezweigt und zum auslösen des Repetiervorganges verwendet.

Beim direkten Gasdrucklader (standard AR-15) wird das abgezweigte Gas über die Gasabnahme durch ein kleines Rohr direkt in den Verschluss geleitet. Dort löst der Gasdruck dann das Entriegeln und den Rücklauf des Verschlusses aus.

Beim indirekten Gasdrucklader (Haenel CR223, H&K MR308, AK-47/AKM, etc) wird ebenfalls über eine Bohrung im Lauf Gasdruck abgezweigt. Jedoch wirkt dieser über die Gasabnahme auf ein Gestänge, welches dem Verschluss dann den Impuls zum Repetieren verleiht.

In beiden Fällen entfaltet der abgezweigte Gasdruck beim Betrieb mit Schalldämpfer deutlich größere Wirkung, als ohne Schalldämpfer. Da sich des Gas im Schalldämpfer deutlich langsamer entspannt, wirkt der Gasdruck vor allem signifikant länger auf das System. In der Folge wird der Verschluss stärker beschleunigt, der Verschluss öffnet früher und der gesamte Repetiervorgang wird rabiater (mit entsprechend höheren Kräften).

Dies kann unter Umständen sogar zu Funktionsstörungen der Waffe führen.

Außerdem entweicht nun ein großer Teil des Gases über das Patronenlager, sobald der Verschluss geöffnet ist. Mit dem Schalldämpfer als „Gasbremse“ an der Laufmündung ist der Weg über das offene Patronenlager für ein Teil des Gases der Weg des geringsten Widerstandes.

Der Repetiervorgang wird also beschleunigt, es wirken stärkere Kräfte auf das System und man bekommt über das Auswurffenster einen Menge Gas ins Gesicht.

Verstellbare Gasabnahme (2 Positionen) der Haenel CR308
Verstellbare Gasabnahme (5 Positionen) der Firma Waffen Burk

Idealerweise sollten Gasdrucklader, die mit Schalldämpfer betrieben werden über eine verstellbare Gasabnahme verfügen. Diese verringert die abgezweigte Gasmenge, der Verschluss bleibt lange genug geschlossen, um den Großteil des Gases über den Schalldämpfer entweichen zu lassen und das System wird nicht übermäßig belastet.

In der Realität sind verstellbare Gasabnahmen tatsächlich das Mittel der Wahl, um dieses Problem anzugehen. Komplett beheben lässt sich das Problem aber nicht.

Die Effektivität der verstellbaren Gasabnahmen ist abhängig von der Munition (Ladung der Patronen), den Verstellmöglichkeiten der Gasabnahme und der Effektivität des Schalldämpfers.

Bei einigen Gasabnahmen kann man über eine Justierschraube sehr kleinschrittig die Menge des abgezweigten Gases bestimmen. So kann man Waffe und Schalldämpfer sehr gut aufeinander abstimmen. Andere Gasabnahmen haben weniger Einstellmöglichkeiten oder nur zwei Stellungen: „Normal“ und „Schalldämpfer“. In jedem Fall sollte in eine verstellbare Gasabnahme investiert werden, wenn man eine Selbstladebüchse mit Schalldämpfer schießen möchte. Bei Zweifeln an der Notwendigkeit einer verstellbaren Gasabnahme, hilft nur der Selbsttest. Betrieb der Waffe mit Schalldämpfer, ohne verstellbare Gasabnahme. Gasabnahmen können auch im Nachgang (nach dem Selbsttest) noch problemlos getauscht werden.

Darüber hinaus gibt es von einigen Herstellern optimierte Schalldämpfer, die speziell für Halbautomaten entwickelt wurden und den Verschlusslauf nur minimal beschleunigen sollen.

Außerdem kann man, zumindest beim AR-15, die Schließfeder gegen eine stärkere austauschen und/oder einen schwereren Buffer verwenden, um dem Verschluss etwas mehr entgegenzusetzen. Gute Idee mit eingeschränkter Wirksamkeit.

Gänzlich umgehen kann man dieses Problem nur, indem man eine Repetier- oder Kipplaufbüchse nutzt.