Modifikation von AR15/AR10


Das AR-15 System ist sicherlich nicht das beste und raffinierteste System. Aber das Funktionsprinzip ist seit den 1960er Jahren unverändert. Es wird nach wie vor von vielen Armeen und anderen Behörden eingesetzt. Und sogar renommierte Unternehmen haben Klone des AR-15 auf den Markt gebracht, welche jetzt Verwendung bei weltbekannten Einheiten finden.

Man könnte also sagen, das System hat sich auf die ein oder andere Art bewährt.

Die großen Vorteile des AR-15 Systems sind die vielen verschiedenen Hersteller, ein schier unendlicher Markt an Upgrade- oder Tuningteilen und dadurch, die Modularität und Vielseitigkeit des Systems.

Ein so großer Markt findet sich für keine zweite Waffenplattform.

Sofern wir denn die Vorbehalte gegen eine „Kriegswaffe“ überwunden haben, bietet sich dem Jäger oder Sportschützen ein ziemliche weites Feld, in dem die Waffe absolut individuell konfiguriert werden kann.

Im Folgenden haben wir eine Übersicht erstellt, was man an einem AR-15 alles modifizieren kann, ohne Veränderungen im waffenrechtlichen Sinne vorzunehmen. In eingeschränktem Maße gilt das auch für AR-10, dem großen Bruder in .308 Win.

Lower und Schulterstütze

Schulterstütze:

Ist am einfachsten auszuwechseln. Die Schulterstütze sitzt auf der Buffer Tube. Es gibt starre Modelle und welche, die als Schubschaft, also in der Länge verstellbar ausgeführt sind. Wichtig hierbei, es gibt verschiedene Durchmesser der Buffer Tube: Mil-Spec und commercial.

Buffer Tube:

Nimmt die Buffer Spring (= Schließfeder) und den Buffer (Gewicht zur Verzögerung des Verschlussrücklaufs) auf. Es gibt drei Längen (Pistol, Carbine und Rifle) und je zwei Durchmesser (Mil-Spec und commercial)

Pistol ist extrem kurz und in Deutschland eher unüblich, da die Waffe mit entsprechend kurzem Lauf dann leicht unter die 60cm rutscht.

Carbine ist die mittlere Länge und wird benötigt für die verschiebbaren Schulterstützen.

Rifle ist am längsten und wird meist für die starren Schulterstützen genutzt.

Hier gibt es natürlich sehr teure Varianten oder einfach normale Buffer Tubes. Tuning lohnt sich hier nicht, sofern die Verarbeitung in Ordnung ist. Ist halt nur ein Rohr aus Alu.

Buffer Spring und Buffer:

Hier lohnt es sich ggf. die Buffer Spring gegen hochwertigere oder stärkere Modelle auszutauschen.

Die Buffer gibt es mit verschiedenen Gewichten. Durch das Gewicht des Buffers lässt sich die Verschlusslaufzeit beeinflussen. Abhängig von Munition und Betrieb (mit oder ohne Schalldämpfer) führt ein höheres Buffergewicht durch die Masseträgheit zu einem etwas späteren öffnen des Verschlusses und einem längerem Repetiervorgang.

Castle Nut:

Ist die Kontermutter, mit der die Buffer Tube am Lower Receiver gesichert wird. Standardprodukt, lohnt kein Tuning, sofern man nicht eine Castle Nut mit besonderem Design möchte.

Lower Receiver:

Ist das untere Gehäuseteil des AR-15. Nimmt die Buffer Tube, Zerlegebolzen, Abzug, Sicherung, Magazinauslösehebel, Verschlussfanghebel, Abzugsbügel, Griff und die Staubschutzklappe auf. Am Lower selbst gibt es im Prinzip nichts zu tunen. Er sollte fest mit dem Upper Receiver, dem oberen Gehäuseteil verbunden werden können. Sollte es da etwas Spiel geben oder wackeln, kann man versuchen das Problem mit einem Accu Wedge oder neuen Pins (= Zerlegebolzen) zu lösen.

Auf den Lower dürfen dafür vorgesehene Wechselsysteme montiert werden. Der Austausch gegen einen anderen Upper Receiver gleichen Kalibers ist in Deutschland verboten. Es entstünde waffenrechtlich gesehen eine neue Waffe, mit allen waffenrechtlichen Konsequenzen (nur durch Büchsenmacher, Neubeschuss…).

Abzug:

Eine, wenn nicht DIE wichtigste Modifikation beim AR-15. Es gibt nahezu alles, was man sich vorstellen kann. Hauptkriterien sind Abzugsgewicht und Single-Stage- oder Two-Stage-Abzug. Der Abzug lässt sich relativ leicht selber wechseln.

Hier lohnt es sich bei den verschiedenen Herstellern zu schauen und zu überlegen, was man will. Vorsicht: Haenel und H&K haben andere Erfordernisse an Abzüge. Die CR-Reihe von Haenel nimmt normale Mil-Spec Abzüge auf, benötigt jedoch ein ein langes Schlagstück (= Hammer). Die Schlagstücke der Geissele-Abzüge sind z.B. zu kurz, um die Schlagbolzensicherung zu entriegeln.

Sicherung:

Ein Tausch der Sicherung ist in der Regel rein kosmetischer Natur. Es gibt einige wenige Abzüge, die eine eigene Sicherung brauchen. Die meisten laufen prima mit einer Mil-Spec Sicherung.

Magazinauslösehebel:

Beidseitig bedienbar oder nicht? Das ist die Frage. Es gibt einige spezielle Designs und zum Teil Modifikationen wie Vergrößerung der Druckflächen. In wenigen Minuten, ohne Werkzeug zu wechseln.

Verschlussfanghebel:

Das Gleiche wie beim Magazinauslösehebel.

Abzugsbügel:

Es gibt einige, ausklappbar oder fest. Irrelevant für die Funktion der Waffe.

Griff:

Der Griff wird über eine innenliegende Schraube an den Lower geschraubt. Nach der Schulterstütze am leichtesten selbst zu wechseln. Es gibt viele verschiedene Farben, Griffformen, Materialien und Winkel. Vorsicht beim demontieren, der Griff nimmt im oberen Bereich die Feder für Sicherungsrast auf.

Receiver Endplate:

Wird durch die Castle Nut gehalten und sichert seinerseits eine Feder für den Zerlegebolzen. Lässt sich ebenfalls tauschen. Es gibt verschiedene Formen für die Befestigung des Gewehrriemens (mit QD-Buchse, Ösen für Karabiner…)

Upper

Upper Receiver:

Ist das obere Gehäuseteil des AR-15. Der Upper Receiver nimmt Lauf mit Patronenlager auf. Der Lauf wird durch die Rohrhaltemutter (Barrel Nut) mit dem Upper Receiver verbunden. Des Weiteren sind der Forward Assist (= Schließhilfe) und der Ladehebel (Charging Handle) sowie die Staubschutzklappe im Upper Receiver verbaut.

Upper und Lower Receiver von verschiedenen Waffen können nicht beliebig untereinander getauscht werden. Zum einen ist es in Deutschland verboten. Zum anderen passt es nicht immer, auch wenn es bei allen AR-15 eigentlich die gleichen Maße sein sollten.

In der Regel befindet sich auf dem Upper Receiver eine Picatinny Schiene und dient der Aufnahme der Optiken und/oder Visiere.

Theoretisch kann auch der Lauf ausgewechselt werden. Dies ist jedoch eine Arbeit für Büchsenmacher (auch rechtlich) und erfordert einen Neubeschuss.

Barrel Nut:

Die Barrel Nut spielt eine zentrale Rolle beim  Wechsel des Handschutzes. Siehe dazu Handschutz.

Forward Assist:

Ein kaum genutzter Bestandteil des AR-15. Außerhalb von Kriegs- und Krisengebieten hat die Schließhilfe keine praktische Relevanz. Es gibt welche mit anderem Design und gleicher Funktion. Darüber hinaus gibt es Bausätze, die den Gasdruck im Gehäuse besser ableiten (weg vom Gesicht des Schützen) sollen, wenn man mit Schalldämpfer schießt. Dann geht die Funktion der Schließhilfe verloren. Gibt bessere Methoden, um mit dem Gasdruck im Gehäuse umzugehen.

Ladehebel:

Lässt sich durch einfaches umstecken austauschen. Es gibt Unterschiede in den Fingergriffen und in der Ausführung des Schiebers. Die Fingergriffe gibt es in einseitige Bedienbarkeit, beidseitige Bedienbarkeit, groß, klein usw. Der Schieber selbst kann für den Schalldämpferbetrieb noch mit Bohrungen und Einkerbungen versehen sein, um den Gasdruck im Gehäuse vom Schützen wegzulenken. Insgesamt eine Frage der Optik und der Handhabbarkeit.

Haenel und H&K sind auch hier eigene Wege gegangen. Standardladehebel für AR-15 passen bei Haenel nicht und bei H&K nur einige Modelle.

Staubschutzklappe:

Meist aus Plastik, seltener aus Blech, lässt sich die Klappe als Schutz vor das Auswurffenster klappen. Relativ aufwändig zu wechseln. Gibt einige mit verschiedenen Texturen oder Prägungen. Aber es bleibt ein kleiner Deckel zum klappen.

Handschutz und Lauf

Haenel CR223 – gut zu sehen das Piston System des indirekten Gasdruckladers.

Handschutz:

Das Thema Handschutz (Handguard) ist ziemlich vielseitig. Es gibt viele Hersteller, verschiedenste Versionen und Längen. Wichtigstes Kriterium: freischwingend (free-float) oder nicht. Beim freischwingenden Handschutz ist eigentlich gemeint, dass der Lauf frei schwingen kann, weil der keine Berührungspunkte mit dem Handschutz hat. Mehr dazu unter dem Punkt Gasabnahme.

Der Handschutz ist die Hauptplattform für die Montage von Zubehör, wie z.B. Zweibeine, Griffe, Waffenlampen und Laser (die beiden letzteren sind in Deutschland verboten).

Für die Montage des Zubehörs gibt es drei hauptsächlich genutzte Schnittstellen: KeyMod, M-Lok und Picatinny.

Wichtig: Der Handschutz wird an der Barrel Nut (Rohrhaltemutter) montiert. Es gibt zwar die Barrel Nut nach Mil-Spec Standard, diese wird bei hochwertigeren Handschützen jedoch nicht verwendet.  Je nach Hersteller des Handschutzes fällt die Schnittstelle anders aus. Der Wechsel des Handschutzes kann also den Ausbau des Laufes und Wechsel der Barrel Nut (liegt dem Handschutz in der Regel bei) erforderlich machen.

Ebenfalls wichtig: Das Thema Handschutz muss immer im Zusammenhang mit dem Thema Gasabnahme betrachtet werden. Sonst kann es passieren, dass der Handschutz nicht passt.

Handschütze nach Mil-Spec passen nicht auf Haenel und H&K.

Gasabnahme (auch Gasblock):

Die Gasabnahme entnimmt an einer Bohrung des Laufes einen kleinen Teil des Gasdrucks und leitet diesen über ein Rohr (Gas Tube) in den Verschluss, um den Repetiervorgang auszulösen. Dieses System nennt man Direktgassystem oder Direct Impingement.

Möchte man einen freischwingenden Handschutz, benötigt man in der Regel eine Low Profile (= flache) Gasabnahme, der unter den Handschutz passt.

Bei den nicht freischwingenden Modellen, wird der Handschutz quasi zwischen Gasabnahme und Barrel Nut geklemmt. Hier nur darauf achten, das Handschutz und Gasabnahme zueinander passen. Manche dieser Gasabnahmen verfügen über einen Kornträger oder Picatinnyprofil.

Des Weiteren gibt es verstellbare Gasabnahmen, mit denen man die Menge des entnommenen Gases regulieren kann. Dies ist wichtig für den Betrieb mit Schalldämpfern oder Wettkampfwaffen.

AR-15 Läufe gibt es in verschiedenen Durchmessern und werden in der Regel in Zoll (Inch) angegeben. Die Gasabnahme muss natürlich für den Durchmesser des Laufes ausgelegt sein. 

Bei Haenel, H&K, SigSauer wird der Gasdruck auch durch eine Gasabnahme entnommen, aber dann über ein Gestänge (Kurzhubkolben-System ) an den Verschluss weitergegeben. Auch Piston-System oder Indirekter Gasdrucklader genannt. Für Haenel und H&K gibt es ebenfalls verstellbare Gasblöcke, die SigSauer haben serienmäßig einen verbaut.

Für den Wechsel der Gasabnahme muss die Mündungskomponente abgebaut werden.

Mündungkomponenten:

Mündungsfeuerdämpfer, Mündungsbremse, und Schnittstellen für Schalldämpfer gibt es zu Hauf. Ausgeliefert werden AR-15 oft mit einem Mil-Spec A2-Mündungsfeuerdämpfer.

Das Entfernen des werksseitigen Mündungsfeuerdämpfers erfordert oft einiges an Kraft, lohnt sich aber. Gerade für die Jagd gibt es viele verschiedene Schalldämpfer bzw. Mündungsbremsen mit integrierten Adaptern für Schalldämpfer.

Aber auch ohne Schalldämpfer, gibt es viele verschiedenen Möglichkeiten die Leistung an der Laufmündung noch etwas zu verbessern oder optimaler zu gestalten.

Weiterführende Informationen zu Schalldämpfern und Mündungsbremsen finden Sie in den Artikeln:

Grundwissen Schalldämpfer und Mündungsbremsen

Selbstladebüchsen mit Schalldämpfer